Die Rohölpreise an ICE und NYMEX stiegen am Mittwoch leicht an, nachdem sie zu Wochenbeginn unter Druck geraten waren. Hauptgrund war die Zinssenkung der US-Notenbank um 25 Basispunkte, die Aktienmärkte und Rohölkontrakte stützte. Allerdings dämpfte Fed-Chef Jerome Powell in der anschließenden Pressekonferenz die Erwartungen auf eine weitere Zinssenkung im Januar deutlich, was die Ölfutures wieder belastet. Da niedrigere Zinsen üblicherweise Kreditkosten senken, den Dollar schwächen und damit die Ölnachfrage unterstützen, wirkt die sinkende Zinssenkungswahrscheinlichkeit kurzfristig bearish.
Gegenläufig könnte sich heute eine erhöhte geopolitische Risikoprämie auswirken: US-Soldaten haben vor der Küste Venezuelas einen Öltanker beschlagnahmt. Laut Rystad-Analyst Jorge Leon stellt dies eine Eskalation von Finanz- zu physischen Sanktionen dar und erhöht das Risiko für venezolanische Exporteure. Solche Eingriffe können bereits durch geringe Mengen eine geopolitische Preisuntergrenze schaffen.
Analyst Tony Sycamore erwartet, dass die Venezuela-Entwicklungen den Ölpreis über 55 Dollar pro Barrel halten – sofern kein überraschendes Ukraine-Friedensabkommen zustande kommt. Heute richtet sich der Marktblick auf die neuen Monatsberichte von IEA und OPEC. Besonders die OPEC hatte zuletzt überrascht, indem sie den Markt für das dritte Quartal als klar überversorgt einstufte.
Derzeit testen die Ölfutures ihr Abwärtspotenzial weiter. Für die Inlandspreise ergibt sich rechnerisch weiteres Abschlagspotenzial gegenüber gestern.
Fundamental: neutral bis bearish Chartanalyse: neutral