Widersprüchliche Meldungen zu den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran prägten zuletzt den Ölmarkt. Trotz zwischenzeitlicher Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung liegen die Ölpreise weiterhin mehr als 40 % über dem Niveau vor Kriegsbeginn Ende Februar. Die Anleger setzen nach wie vor auf eine mögliche Deeskalation und insbesondere auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Donald Trump erklärte, die Gespräche mit dem Iran befänden sich in einer „Endphase“. Gleichzeitig hielt er jedoch an seiner Drohung fest, bei einem Scheitern der Verhandlungen erneut militärisch vorzugehen. Diese widersprüchlichen Signale sorgen weiterhin für starke Kursschwankungen.
Analysten von ING Groep NV betonen, dass der Markt extrem sensibel auf Schlagzeilen rund um den Iran reagiert. Zwar bestehe Hoffnung auf Fortschritte, ähnliche Erwartungen seien in der Vergangenheit jedoch mehrfach enttäuscht worden. Für Brent erwarten sie im laufenden Quartal einen Durchschnittspreis von rund 104 US-Dollar je Barrel.
Gleichzeitig bleibt die physische Versorgungslage angespannt. Wegen der blockierten Straße von Hormus und längerer Transportzeiten werden weltweit Lagerbestände abgebaut. Experten warnen deshalb vor sinkenden Ölreserven und einer zunehmenden Angebotsknappheit. Sowohl die International Energy Agency als auch Goldman Sachs sehen hierin ein wachsendes Risiko.
Die mittelfristige fundamentale Lage wird deshalb wieder leicht bullish eingeschätzt. Sollte es jedoch tatsächlich zu einem Friedensabkommen kommen und Hormus geöffnet werden, könnte sich die Marktstimmung rasch ins Bearishe drehen. Kurzfristig wirken sich bei den Inlandspreisen dennoch die jüngsten Preisrückgänge aus und sorgen für deutliche Abschläge.
Fundamental; neutral bis bullish Chartanalyse; bearish