Die Ölpreise haben sich nach den starken Ausschlägen infolge des Iran-Konflikts weitgehend normalisiert. Der Nordsee-Rohölkontrakt Brent lag zum Wochenschluss erstmals wieder unter dem Niveau vor Kriegsbeginn. Der US-Referenzkontrakt WTI notiert ebenfalls deutlich niedriger als zuletzt, liegt jedoch noch leicht über dem Vorkriegsniveau. Zu Beginn der neuen Handelswoche setzen die Notierungen ihren moderaten Rückgang fort.
Dennoch bleibt die Marktlage angespannt. Neue Zwischenfälle im Bereich der Straße von Hormus, darunter Angriffe auf ein Containerschiff und einen Öltanker, verdeutlichen die anhaltenden geopolitischen Risiken. Zwar gilt derzeit wieder eine Waffenruhe, doch Unsicherheiten hinsichtlich der Versorgungssicherheit belasten weiterhin die Erwartungen von Marktteilnehmern, Reedereien und Versicherern.
Analysten gehen davon aus, dass der Markt die Geschwindigkeit einer Erholung der Öllieferungen aus dem Persischen Golf neu bewerten könnte. Gleichzeitig besteht das Risiko erneuter Preissteigerungen, falls sich die Angebotslage langsamer verbessert als erwartet. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die Entwicklung der Kraftstoffnachfrage in den USA während der Fahrsaison sowie durch die weiterhin verhaltene Nachfrage in China.
Unterstützend für die Preise der Ölprodukte wirken mögliche Angebotsengpässe. Dazu zählen ein Streik in der Antwerpener Raffinerie von ExxonMobil sowie ein mögliches vollständiges Diesel-Exportverbot Russlands. Präsident Wladimir Putin bestätigte Engpässe am russischen Kraftstoffmarkt und kündigte weitere Beratungen über Exportbeschränkungen an. Entsprechend zeigen sich insbesondere die Mitteldestillatkontrakte robust. Auch für die Inlandspreise ergibt sich rechnerisch kurzfristig weiteres Aufwärtspotenzial.
Fundamental; neutral bis bearish Chartanalyse; neutral