05.01.2026
Ölpreise fallen trotz Maduro-Festnahme – Anleger sehen keine Gefahr für globales Angebot
Brent: 60.20
Gasoil: 609.75
Dollar: 0.7942
Crude (WTI): 56.78
Rheinfracht: 35.00

Trotz der spektakulären Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte zeigten sich die internationalen Ölmärkte zu Wochenbeginn schwächer. Sowohl an der ICE als auch an der NYMEX gaben die Preise nach. Zwar verlief der frühe asiatische Handel zunächst volatil mit kurzen Kursgewinnen, doch dominierten rasch Gewinnmitnahmen. Marktteilnehmer gehen derzeit nicht davon aus, dass die politischen Umwälzungen in Venezuela spürbare Auswirkungen auf das globale Ölangebot haben.

Venezuela spielt trotz seiner großen Reserven heute nur noch eine untergeordnete Rolle im Ölmarkt. Die Förderung ist in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen und liegt inzwischen bei unter einem Prozent der weltweiten Produktion. Gleichzeitig sieht sich der Markt 2024 mit einem deutlichen Überangebot konfrontiert, da OPEC+ sowie andere Förderländer ihre Produktion ausgeweitet haben. Entsprechend können selbst größere Ausfälle in Venezuela leicht kompensiert werden.

Analysten wie Neil Shearing von Capital Economics erwarten, dass das globale Angebotswachstum die Ölpreise mittelfristig unter Druck setzt und diese in Richtung 50 US-Dollar treiben könnte. Auch Goldman Sachs und JP Morgan sehen aufgrund des Überangebots nur begrenzte kurzfristige Risiken, langfristig sogar zusätzliche Angebotsrisiken bei einem möglichen Regimewechsel und späteren Sanktionslockerungen. Eine vollständige Aufhebung der Sanktionen gilt jedoch als unwahrscheinlich und würde ohnehin Zeit benötigen.

Insgesamt überlagert das hohe Angebot derzeit geopolitische Risiken – auch aus dem Nahen Osten – und sorgt für eine leicht bearish geprägte Markteinschätzung. Auf den Inlandspreisen wirkt sich dies jedoch nur begrenzt aus, da diese zuletzt deutlich angezogen hatten.

 

Fundamental; neutral bis bearish           Chartanalyse; neutral bis bearish