Der Ölmarkt startet mit sinkenden Preisen in den neuen Monat, nachdem Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Nahen Osten die geopolitischen Risiken vorerst abgeschwächt haben. Auslöser waren Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach Gespräche mit dem Iran bevorstehen und ein geplanter Militärschlag zugunsten einer Verhandlungslösung ausgesetzt wurde.
Die Marktreaktion spiegelt vor allem den Abbau der geopolitischen Risikoprämie wider. Analysten betonen jedoch, dass ein nachhaltiger Preisrückgang nur möglich ist, wenn sich die Lage in der Straße von Hormus dauerhaft entspannt. Die strategisch wichtige Wasserstraße bleibt ein Unsicherheitsfaktor, da der Iran sie weiterhin als politisches Druckmittel einsetzen könnte. Über Hormus werden rund 20 Prozent des weltweiten Rohöl- und LNG-Handels transportiert.
Parallel stärken mehrere Entwicklungen die Angebotsseite. Die OPEC+ hat eine weitere moderate Erhöhung ihrer Förderquoten beschlossen und damit die Rücknahme der freiwilligen Produktionskürzungen weitgehend abgeschlossen. Gleichzeitig wurde das Pipeline-Abkommen zwischen der Türkei und dem Irak verlängert, wodurch zusätzliche Exportkapazitäten entstehen. Auch das Caspian Pipeline Consortium in Kasachstan hat den regulären Betrieb nach einer Unterbrechung wieder aufgenommen.
Insgesamt hat sich die Marktstimmung über das Wochenende von bullish zu bearish gedreht. Die Aussicht auf neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie die steigende Verfügbarkeit von Rohöl belasten die Ölpreise. Entsprechend notieren die Rohölfutures an ICE und NYMEX deutlich niedriger, während auch die Inlandspreise den Anstieg vom Freitag bereits wieder vollständig ausgeglichen haben.
Fundamental: neutral bis bearish Chartanalyse: bearish