Der globale Ölmarkt befindet sich derzeit in einer Phase saisonal schwacher Nachfrage, die voraussichtlich erst mit Beginn des zweiten Quartals 2026 endet. Erst dann dürfte die traditionell höhere Sommernachfrage wieder für spürbare Impulse sorgen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich die OPEC+ zuletzt zunehmend zurückhaltend bei möglichen Produktionsausweitungen. Besonders Saudi-Arabien hat seine offiziellen Verkaufspreise deutlich gesenkt, um Marktanteile zu sichern – ein Zeichen für schwächere Nachfrage zum Jahresbeginn 2026.
China profitiert von diesen niedrigeren Preisniveaus und erhöht momentan seine Rohölimporte spürbar. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieser Käufe der Lagerbefüllung dient. Sobald die Zielbestände erreicht sind oder die Preise wieder anziehen, könnten die chinesischen Importe im Jahresverlauf 2026 entsprechend nachlassen.
Mittelfristig rechnen Marktbeobachter weiterhin mit einem Überangebot. Obwohl sich diese Erwartung bislang nicht klar in fallenden Preisen widerspiegelt, wirken geopolitische Risiken – insbesondere ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen – preisstützend. Die laufenden Friedensgespräche, vermittelt von den USA, bleiben daher zentral für die weitere Marktentwicklung. Eine mögliche Lockerung oder Verschärfung der Russland-Sanktionen könnte das globale Angebot um bis zu 2 Mio. Barrel pro Tag verändern. Analysten der ANZ Bank gehen langfristig davon aus, dass russische Lieferungen trotz Sanktionen ihren Weg auf den Markt finden, was die Ölpreise 2026 schrittweise in Richtung 60 Dollar drücken könnte.
Aktuell notieren Brent und WTI bereits nahe dieser Marken. Neue Sanktionen der G7 könnten jedoch kurzfristig für Preisauftrieb sorgen. Unterstützt durch positive Konjunktursignale aus China und den USA sowie Erwartungen sinkender US-Zinsen ergibt sich kurzfristig ein leicht bullishes Bild, während die mittelfristigen Aussichten weiterhin eher bearish bleiben.
Fundamental: neutral bis bullish Chartanalyse: neutral bis bullish