Die Ölpreise bewegen sich am Freitag nach ihrem zweitägigen Anstieg zunächst seitwärts. Hintergrund sind widersprüchliche Signale: Einerseits hat sich die Lage bei den Rohölexporten aus dem Nahen Osten zuletzt etwas entspannt, andererseits sorgt die militärische Aufrüstung der USA in der Region für neue Unsicherheit. Eine weitere Eskalation des Konflikts mit Iran könnte die Ölversorgung erneut beeinträchtigen und die Preise deutlich unter Druck setzen.
Analysten zufolge nähern sich die Rohöllieferungen aus der Region wieder dem Vorkriegsniveau. Bei raffinierten Produkten wie Diesel ist die Versorgungslage dagegen weiterhin angespannt. Entsprechend bleiben die Risikoprämien am Ölmarkt hoch. Brent liegt derzeit rund 70 Prozent über dem Jahresbeginn. Die niedrigen Lagerbestände erhöhen zusätzlich die Anfälligkeit für kurzfristige Preissprünge.
Belastend wirkt zudem Chinas Entscheidung, die Exporte raffinierter Ölprodukte deutlich zu reduzieren. Peking will damit offenbar die heimischen Lagerbestände sichern, verschärft dadurch jedoch die Knappheit auf dem internationalen Markt. Gleichzeitig fordert die US-Regierung europäische Staaten auf, Dieselreserven freizugeben, um die globale Versorgung zu stabilisieren und mögliche Einschränkungen amerikanischer Exporte zu vermeiden.
Insgesamt bleibt der Ölmarkt damit äußerst volatil. Eine mögliche militärische Eskalation im Persischen Golf könnte insbesondere die ohnehin angespannte Versorgung mit Diesel weiter verschärfen und die Preise erneut steigen lassen. Fundamental hat sich die Markteinschätzung daher leicht zugunsten höherer Ölpreise verschoben. Bei den Inlandspreisen zeichnen sich kurzfristig dennoch weitere Abschläge ab.
Fundamental: neutral bis bullish Chartanalyse: neutral bis bullish