Die konsequente Durchsetzung der US-Seeblockade gegen Venezuela wirkt sich kurzfristig preisstabilisierend auf den globalen Ölmarkt aus. Durch die Einschränkung venezolanischer Exporte wird insbesondere das Angebot schwerer Rohölsorten verknappt, die nur begrenzt durch andere Qualitäten ersetzt werden können. Zwar stehen in Westafrika größere Mengen zur Verfügung, deren leichtere Qualität kann den Ausfall venezolanischen Öls jedoch nicht vollständig kompensieren. Entsprechend starteten die Ölpreise im frühen Handel oberhalb der Niveaus vom Freitag und über der kurzfristig wichtigen technischen Unterstützung.
Parallel dazu bleibt ein Durchbruch im Ukraine-Konflikt aus. Weitere mögliche Sanktionen aus den USA und der EU sowie verstärkte Angriffe der Ukraine auf russische Exportinfrastruktur erhöhen die Risiken für russische Lieferungen, insbesondere nach China. Diese geopolitischen Faktoren wirken aktuell preisstützend, obwohl das fundamentale Marktumfeld weiterhin als bearish gilt.
Analysten sehen die jüngsten Entwicklungen als Ausgleich zu den anhaltenden Sorgen über ein globales Überangebot. Der Markt verliert zunehmend die Hoffnung auf eine schnelle Friedenslösung zwischen Russland und der Ukraine, was die geopolitische Risikoprämie erhöht. Kurzfristig verschiebt sich dadurch das Chancen-Risiko-Verhältnis zugunsten steigender Preise.
Dennoch bleibt der mittelfristige Ausblick gedämpft. Während bis zum Jahresende eine leicht bullishe Tendenz gesehen wird, rechnen Marktbeobachter aufgrund der strukturellen Überversorgung im kommenden Jahr wieder mit deutlich niedrigeren Brent-Preisen. Für die Inlandspreise ergeben sich aktuell nur moderate Aufschläge.
Fundamental: neutral bis bullish Chartanalyse: bullish