Die Ölmärkte stehen weiterhin ganz im Zeichen der unsicheren Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine. Händler beobachten besonders die diplomatischen Bemühungen Kiews mit europäischen Partnern, die klar eine Lösung ablehnen, welche die Ukraine zu Gebietsabtretungen zwingen würde. Präsident Selenskyj betonte erneut, dass die Ukraine hierfür keinerlei rechtliche Grundlage sehe – eine zentrale Forderung Moskaus.
Laut Analyst Tim Waterer (KCM Trade) dürfte Öl deshalb in einer engen Handelsspanne verbleiben, bis klarere Signale aus den Gesprächen kommen. Ein Abbruch der Verhandlungen könnte kurzfristig steigende Ölpreise auslösen, während Fortschritte und eine mögliche Rückkehr russischer Ölexporte dämpfend wirken würden. Da eine schnelle Einigung jedoch aufgrund der verhärteten Positionen unwahrscheinlich scheint, wäre ein umfassender Friedensvertrag samt Sanktionsaufhebung eine vom Markt nicht eingepreiste Überraschung. Ein Scheitern der Gespräche hingegen gilt eher als erwartbar und würde daher nur begrenzt bullish wirken.
Der kurzfristige Produktionsausfall am irakischen West-Qurna-2-Feld blieb ohne nachhaltige Wirkung. Analystin Priyanka Sachdeva (Phillip Nova) verweist darauf, dass der Markt rasch zum Hauptthema – einem hohen globalen Angebot bei verhaltener Nachfrage – zurückgekehrt sei. Brent-Öl fiel wieder in Richtung 62 US-Dollar, was den Markterwartungen für Dezember entspricht.
Eine mögliche Zinssenkung der US-Notenbank könnte Brent vorübergehend im Bereich von 60 bis 65 US-Dollar stabilisieren, während mittel- bis langfristig die Erwartung eines Überangebots ab 2026 den Markt strukturell prägt. Kurzfristige Impulse werden nun vor allem durch die US-Lagerdaten und die Fed-Entscheidung erwartet. Insgesamt bleibt der Markt neutral, wobei sinkende Inlandspreise angezeigt werden.
Fundamental: neutral Chartanalyse: neutral bis bullish